In diesem Ratgeber zum Thema Abwehrsprays und Pfefferspray beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Thema Pfefferspray, der richtigen Handhabung von Pfefferspray und der Zusammensetzung von Pfeffersprays und Abwehrsprays.

Inhaltsverzeichnis:

Allgemeines über Abwehrsprays

Der Oberbegriff „Abwehrspray“ beinhaltet Mittel zur Abwehr gegen angreifende Menschen und Tiere.

Dabei unterscheidet man zwischen verschiedenen Wirkstoffen wie OC (Oleoresin Capsicum, dem natürlichen Extrakt aus der Chili), PAVA (Nonivamid, synthetisch hergestelltes Capsaicin) und den ebenfalls synthetisch hergestellten Reizstoffen CS (2-Chlorbenzylidenmalonsäuredinitril) sowie CN (Omega-Chloracetophen).

CS-Gas und auch der Wirkstoff CN gelten als nicht mehr zeitgemäß und wurden von den meisten Behörden durch wirksamere Pfefferwirkstoffe wie PAVA und OC ersetzt. In der Praxis erwies sich CS-Abwehrspray als unzuverlässig, denn die Wirkung war einerseits verzögert und bei Angreifern unter Alkohol- oder Drogeneinfluss sogar teilweise nicht gegeben.

Auch in der zivilen Nutzung wurden KO-Spray auf Basis von CS veitgehend von Pfeffersprays verdrängt. Zwar sind CS- und CN-Sprays explizit zur Nutzung gegen Menschen zugelassen, allerdings verlassen sich die meisten Anwender auf Pfefferspray, welches in Deutschland als Tierabwehrspray deklariert, frei verkäuflich ist.

Wissenswertes über Abwehrsprays

Pfeffersprays welche nicht den Hinweis „gegen angreifende Tiere“ tragen, fallen in Deutschland unter das Waffengesetz. Auch wenn sich Pfeffersprays und KO-Sprays gegen Tiere, weder in Funktion noch in der Wirkung voneinander unterscheiden, so ist der Bestimmungszweck vom Gesetzgeber klar definiert.

Theoretisch dürfe man daher Pfeffersprays mit der Aufschrift „gegen Tiere“ nur gegen angreifende Hunde einsetzen oder ähnliche wilde Tiere einsetzen. In der Praxis verlassen sich viele Besitzer solcher Sprays auf den Notwehrparagraph (§32 StGB), welcher eine Benutzung in einer Notsituation rechtfertigen könnte.

Dort heißt es auch „Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.“. Viele Kunden kaufen daher bewusst Tierabwehrspray gegen jede Art von Notwehrsituationen.

Des weiteren steht im Gesetzestext „Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.“. Auch dieser Punkt erhöht zumindest die Vermutung, dass ein Anwender, welcher in Notwehr ein solches Spray (entgegen der eigentliches Verwendungszwecks) einsetzt, straffrei davonkommen könnte. Letztlich entscheidet im Zweifelsfall ein Richter, ob in der Situation §32 StGB greift.

Wie benutzt man Pfefferspray?

Pauschal gesagt funktionieren alle Spraydosen nach dem gleichen Prinzip und da spielt es keine Rolle ob es Haarspray, Farbspray oder ein Abwehrspray gegen Hunde ist. Durch festen Fingerdruck auf den Kopf des Sprühventils, verlässt der Inhalt die Dose.

Allerdings gibt es Unterschiede beim Ventil. Während Haarspray den Inhalt langsam und fein zerstäubt freigibt, geht es bei einem Pfefferspray viel schneller und mit einem kräftigen Strahl. Mit diesem Sprühstrahl zielt man auf das Gesicht vom Angreifer bzw. das des angreifenden Tieres. Abhängig vom gewählten Produkt gibt es Unterschiede in der Reichweite.

Wie sollte man ein Pfefferspray bei sich tragen?

Empfehlenswert ist die Jackentasche der starken Hand, daher ist es bei Rechtshändern in der rechten und bei Linkshändern in der Linken Tasche aufzubewahren. Egal wo oder welches Pfefferspray man sich kauft, es gehört auf keinen Fall in die Handtasche oder in einen Rucksack, denn dort muss man es erst suchen. Wenn man einen wirkungsvollen und realistischen Schutz vor Angriffen im Freien sucht, dann muss es griffbereit in der Jackentasche sein.

Ist ein Pfefferspray beim Transport in der Jackentasche sicher?

Wenn man ein wirkungsvolles und sicheres KO-Spray kaufen möchte, dann sollte man auf gewisse Details achten. Ein sicheres Pfefferspray muss über eine Schutzkappe oberhalb des Ventils verfügen, um die Gefahr einer versehentlichen Auslösung des Sprühstrahls zu minimieren.

In Haushalten mit kleinen Kindern, sollte die Jacke außerhalb deren Reichweite aufbewahrt werden.

Welche Reichweite muss ein Pfefferspray bieten?

In der Praxis hat sich gezeigt, das die Reichweite eines KO-Sprays zweitrangig ist. Vielmehr ist die Form der Verteilung wichtig. Unter Stress hat eine einfache Bedienung und sicheres Treffen des Angreifers die höchste Priorität.

Sogenannte „Weitstrahl-Pfeffersprays“ sind dahercgrundsätzlich nicht zu empfehlen, denn damit ist ein sehr genaues Zielen nötig, um tatsächlich in beide Augen des Aggressors zu treffen. Das ist unter Hochstress und in einer dynamischen Situation nahezu unmöglich.

Ratsam sind daher nur Pfeffersprays mit einem konischen Sprühstrahl und besonders hohem Wirkstoffgehalt. Dies begründet sich damit, dass man nur in die grobe Richtung des Angreifers sprühen muss und dabei mit höchster Wahrscheinlichkeit beide Augen trifft.

Im Test hat sich gezeigt, dass der Einsatz fast immer im Nahbereich von ca. 1,5-2 Metern erfolgt. Das ist damit zu begründen, dass zwischen einem sich ankündigen Angriffs und der Benutzung eines Abwehrsprays nur ein kurzes Zeitfenster besteht.

Angriffe geschehen blitzschnell und bis man seine Spraydose in der Hand hält, ist der Angreifer bereits im Nahbereich. Daher haben „Weitstrahl KO-Sprays“ nur einen rein theoretischen Nutzen, sind aber in der Praxis untauglich zur Selbstverteidigung.

Wie viel Inhalt sollte ein gutes Pfefferspray oder Tierabwehrspray haben?

Wenn man ein Pfefferspray oder sonstige Abwehrsprays kaufen möchte, dann sollte der Inhalt bei über 40ml liegen, um eine ausreichende Sprühdauer zu gewährleisten.

Da Angriffe häufig von mehr als einem Täter erfolgen, sollte der Inhalt so bemessen sein, dass man auch weiteren Angreifern entgegenwirken kann. Auch Angriffe von Hunden erfolgen häufig nicht nur von einem einzelnen Tier.

Allerdings sollte die Spraydose trotzdem handlich sein, da man sie als ständigen Begleiter in der Jackentasche trägt. Der Inhalt liegt daher im Idealfall bei 50-60ml und das Pfefferspray (mit konischem Strahl) bietet dann eine Sprühdauer von rund 5-6 Sekunden – ausreichend für mehrere Angreifer.

Welches ist das stärkste Pfefferspray am Markt?

Es gibt unzählige Tierabwehrsprays und deren Schärfe unterscheidet sich tatsächlich. Allerdings muss man genau darauf achten, welch Angaben die Hersteller machen. Die Angegebene Schärfe muss man umrechnen, um die tatsächliche Schärfe zu erfahren

Ein Beispiel: Wenn ein Spray mit einem Schärfegrad von 2 Millionen SU beworben wird und auf dem Etikett steht z.B. 11%, dann hat das Spray eine reale Schärfe von nur 220.000 SU. Um die 200.000 reale SU ist die durchschnittliche Schärfe bei Sprays aller Preisklassen.

Steht auf einem Pfefferspray 1,5% Capsaicinoide, dann enthält das Produkt maximal nur 1,5% von 16.000.000 Scoville Units des reinen Capsaicin. Umgerechnet entspricht diese Angabe dann echten 240.000 SU.

Nach derzeitigem Stand (01.01.2020) und einer Recherche nach bestem Wissen und Gewissen, bietet nur ein Hersteller in seinen Premium-Abwehrsprays über 700.000 SU. Dieses wohl stärkste Tierabwehrspray der Welt enthält 8% des Wirkstoffs PAVA (Nonivamid). PAVA bietet als Reinstoff eine Schärfe von ~ 9.000.000 SU und davon 8% ergeben eine extrem starke Wirkung auf Mensch und Tier.

Die deutsche Polizei nutzt sehr schwache Pfeffersprays mit unter 0,4% PAVA. Viele Polizisten beklagen eine unzureichende Wirkung bei Straftätern unter Drogen- oder Alkoholeinfluss. Drogen und Alkohol wirken auf das Nervensystem und wie der Begriff “Betäubungsmittel” schon sagt, wirken manche Drogen schmerzlindernd, betäubend oder narkotisierend.

Allerdings kann man pauschal sagen, dass eine Person die laufen und angreifen kann, mit Sicherheit nicht bis zur totalen Schmerzfreiheit betäubt ist. Da ist es dann wirklich nur eine Frage der Stärke des Pfeffersprays.

Bei der Stärke von Pfefferspray gilt daher das Motto „viel hilft viel“ und entsprechend führt ein besonders gutes Abwehrspray, selbst bei berauschten Angreifern, bei Kontakt mit den Augen zum sofortigen Lidschluss und macht einige Minuten kampfunfähig.

Augen sind sehr empfindlich und reagieren automatisch auf Reize. Kann der Angreifer laufen, dann ist sein Nervensystem noch aktiv genug und leitet die Reize auch weiter. Spürt der Drogensüchtige nichts mehr, dann hat er derart viele Drogen genommen, dass er tief schläft oder gar Ohnmächtig ist – dann stellt er sowieso keine Gefahr da.

Wo Pfefferspray kaufen?

Pfefferspray bzw. Abwehrsprays gegen Hunde bekommt man zwar prinzipiell an jeder Ecke und selbst an Tankstellen kann man solche Produkte finden. Allerdings ist der Einkauf im speziellen Fachhandel der einzig richtige Weg.

Wer den obigen Text gelesen hat, der hat die wichtigen Merkmale von guten Pfeffersprays kennengelernt. Natürlich gibt es Pfefferspray zu Discount-Preisen, allerdings sollte man bei einem Sicherheitsprodukt nicht am falschen Ende sparen.

Letztlich hängt im schlimmsten Fall die Gesundheit oder gar ein Menschenleben von einem Abwehrspray ab. Zwar muss nicht immer das teuerste Produkt am Markt, auch das stärkste und beste Pfefferspray sein, aber die ganz billigen Pfeffersprays bieten vermutlich keinen ausreichenden Schutz.

Man muss sich selbst die Frage stellen: Was ist mir mein Leben wert?

Falls noch Fragen bestehen, dann beraten wir Sie gern.