Wie verteidige ich mich am besten?

Das Bedürfnis nach Sicherheit gehört zu den elementarsten Wünschen eines jeden Menschen.

Um das Gefühl von Sicherheit zu simulieren errichtet man hohe Zäune, Haustüren mit Panzerscheiben, schafft möglichst großgewachsene Hunderassen an und schwebt so in einer selbsterschaffenen Seifenblase. Friedlich solange, bis der Täter einem trotz aller Bemühungen grinsend gegenübersteht.

Was dann?

Für solche Situationen hat unser Wirtschaftssystem etliche, vermeintlich effektive Helferlein auf den Markt gebracht.

Die Auswahl ist groß und mittlerweile unüberschaubar. Dabei wollen wir nur eine Antwort auf die Frage: Welche Verteidigungsmittel sind die wirksamsten und was gilt es zu beachten?

  1. Was muss man beachten?

Die Vorschläge einer Google-Suchanfrage führen schnell zu einer totalen Überforderung.

Von Pfefferspray, über Kampf-Kugelschreiber, bis hin zu Schreckschusswaffen ist alles dabei.

Der Markt, insbesondere der Onlinehandel erscheint wie ein wahres Verteidigungsparadies.

Doch Vorsicht, besonders beim Selbstverteidigungs- Waffenkauf ist die Grenze der Legalität schnell überschritten. Achten Sie auf Zertifikate. Mitführbeschränkungen und Nutzungsvoraussetzungen.

  1. Welche Selbstverteidigungswaffen sind in Deutschland verboten?

Das Mitführen, Erwerben und Besitzen von einer Vielzahl von Waffen ist in Deutschland untersagt.

Dazu zählen u.a.:

  • Messer: Butterflymesser, Springmesser, Fallmesser
  • Schlagringe
  • Totschläger und Stahlruten. Letztere fallen unter die Kategorie Schlagwaffen

  Die biegsamen Schlagstöcke mit erschwertem Endstück, meist einer Eisenkugel, können

  schwerste Verletzungen zur Folge haben, bis hin zu einem Aufplatzen der Schädeldecke.

  • Nunchaku, das bekannte japanische Würgeholz
  • Präzisionsschleudern und Wurfsterne

In Ausnahmefällen ist der Erwerb und Besitz einzelner illegaler Waffen durch rechtliche Bestimmungen genauer geregelt im Waffengesetz. (Quellen: Waffengesetz, polizeifürdich.de)

  1. Welche Selbstverteidigungshelfer sind in Deutschland erlaubt und wie effektiv sind sie?

Wir haben für Sie eine Liste der am häufigsten benutzen Selbstverteidigungsmittel zusammengestellt und verglichen.

  1. Der Klassiker: Pfefferspray.

Von der Polizei bewusst als Tierabwehrspray bezeichnet, ist einzig für die Abwehr von Tieren vorgesehen.

In besonderen Notfallsituationen gelten jedoch spezielle Notfall-Bestimmungen. So auch die Notwehrlage.

Pfefferspray enthält Oleoresin Capsicum, kurz „OC“ und ist ein Wirkstoff, gewonnen aus dem Fruchtfleisch besonders scharfer Chillischoten.

Der Einsatz kann zu einer starken Reizung der Haut, Schleimhaut und der Atemwege führen.

Eine kurzzeitige Orientierungslosigkeit und ein unkontrollierbares Verschließen der Augen kann ebenfalls die Folge sein. Ein kostbarer Moment für den Angegriffenen.

Risikofaktoren bei der Nutzung sind allerdings die Windverhältnisse, Sprühdistanz, Reaktionsgeschwindigkeit der Täter, Anzahl der Täter, Selbstkontamination.

Pfefferspray ist frei von Begrenzungen.

  1. Reizgas:

CS Gas mit einer offiziellen Bundeskriminalamt – Genehmigung darf zur Verteidigung gegen Menschen eingesetzt werden und ist ab einem Alter von14 Jahren in Deutschland frei verkäuflich.

CS steht für eine unaussprechliche chemische Verbindung namens Chlorbenzylidenmalonsäuredinitril. Allgemein bekannt unter Tränengas.

Trifft CS Gas das Gesicht des Angreifers, kann dieser ca. 5 Minuten seine Augen nicht öffnen. Der Unterschied zu Pfefferspray liegt in dem enthaltenen Wirkstoff, grundsätzlich hat es jedoch eine schwächere Wirkung als Pfefferspray.

  1. Schrillalarm:

Der Schrillalarm wird verbaut in Form von Schlüsselanhängern, Autoschlüsseln oder kleinen Spraydosen. Hergestellt in verschiedenen Variationen, können die Produkte eine Lautstärke zwischen 100 bis zu 130 dB erzeugen. Empfohlen wird, zu höheren Lautstärken zu greifen. Die menschliche Schmerzgrenze liegt bei 130 dB und wird als unerträglich empfunden. Plötzlich ausgelöst gewinnt der Verteidiger einen für den Täter unerwarteten Überraschungsmoment mit Fluchtmöglichkeit. Zusätzlich wird öffentliche Aufmerksamkeit erregt.

Nachteile: Der Überraschungsmoment hält kurz an und kann nicht ausreichend sein, um den Täter zur Flucht zu bewegen. Auf nächtlichen, verlassenen Straßen kann der Aufmerksamkeitseffekt nutzlos sein.

  1. Hochleistungstaschenlampe:

Sie sorgen für eine kurzzeitige Desorientierung der Angreifer mit einer Lichtstärke von bis zu 200 Lumen und verschaffen dem Angegriffenen so einen Fluchtvorteil.

  1. Schreckschusswaffen / Reizgaspistolen:

Schreckschusswaffen sind Nachbildungen von echten Pistolen und zielen darauf ab den Angreifer durch das einfache Zücken der Waffe zur Flucht zu bewegen. Lässt sich der Täter auch durch die bloße Bedrohung nicht beeindrucken, wird durch Abfeuern entweder eine Reizgasmunition entladen, in Verbindung mit einem lauten Knall. Oder die harmlosere Variante, Schreckschussmunition wird ausgelöst, einzig ein lauter Knall entsteht.

Schreckschusspistolen sind frei erhältlich ab 18 Jahren. Um die Waffe in der Öffentlichkeit mitführen zu dürfen, benötigt man einen kleinen Waffenschein. Kein Waffenschein wird auf befriedetem Grundstück benötigt. Als befriedet gilt Besitztum, wenn es äußerlich erkennbar abgegrenzt ist. (§123 StGB)

Die Polizei rät von der Nutzung von Reizgaspistolen ab, da sich diese unzulänglich zur Selbstverteidigung eigenen. Schreckschusswaffen erfordern die Fähigkeit mit ihnen umgehen zu können. Präzises Schießen und der Wille abzudrücken sind entscheidend. Letzteres klingt harmlos. Hemmungen können im entscheidenden Moment jedoch zu einer Verzögerung mit dramatischen Folgen führen. Entwaffnung und Einsatz durch den Täter selbst.

  1. Tactical Pen:

In erster Linie handelt es sich bei einem Tactical Pen um einen Kugelschreiber. Modifiziert durch ein robustes Aluminium – Gehäuse und eine spezielle Form, wird der herkömmliche Kugelschreiber jedoch zu einem Selbstverteidigungsmittel ausgerüstet.

Die eigentliche Idee dazu lieferte die Selbstverteidigungswaffe Kubotan. Kubotan ist ein kurzer Stock, der die Schlag- und Druckkraft verstärkt. Asiatische Kampfkünste wie Krav Maga, Jiu Jitsu oder Karate unterrichten den Umgang.

Der Tactical Pen erfordert den Nahkampf und ist bei unzureichendem Bedienungs – Know How nur bedingt bis nicht hilfreich. Die Entwaffnungsgefahr ist hier besonders hoch. Aus diesem Grund sind Kurse stark empfohlen. Sie helfen die Schlagkraft und die richtige Ausführung zu trainieren.

Tactical Pens sind in Deutschland legal zu erwerben.

  1. Selbstverteidigungsschirm:

Ein Alltagsgegenstand, der sich im Notfall als Schlagstock entpuppt. Die Schlagwirkung entspricht einem Knüppel oder einem Stahlrohr. Die richtige Anwendung kann durch Kurse erlernt werden.

8, Alltagsgegenstände:

Unscheinbare Helfer des Alltags können sich als Lebensretter im Notfall erweisen. Ein Schlüssel, Absatzschuhe, ein Feuerzeug. In der Faust umschlungen, verstärkt es den Schlaghieb. Die eigene Handtasche kann mit der richtigen Schlagkraft für kurze Desorientierung sorgen. Ein gezielter Treffer mit der Handykante zu einem kurzzeitigen Knock-Out führen. Die Liste ist lang und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Nagelpfeilen, Kugelschreiber, ein herausstechender Schlüssel zwischen Mittel- und Zeigefinger wird zu einer Waffe umfunktioniert.

Selbstverständlich erfordert der Einsatz von Alltagsgegenständen eine Nähe zu dem Angreifer die sehr viel Gefahrenpotenzial enthält. Eine Situation, die Sie mit allen Mitteln vermeiden sollten.


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